03.07.2019 News

Schwieriges erstes Halbjahr für die Branche

Wirtschaftliche Lage der chemisch-pharmazeutischen Industrie

Schwieriges erstes Halbjahr für die Branche

Produktion sinkt in H1/2019 um 6,5 %, Umsatz geht um 4 % zurück

Prognose Gesamtjahr: Produktion verringert sich um 4 %, Umsatz um 3 %

Klimaschutz ist Verpflichtung und Chance für die Branche

Positive CO2-Bilanz durch Produkte und Teilnahme am EU-Emissionshandel

 

Die chemisch-pharmazeutische Industrie konnte im ersten Halbjahr 2019 nicht an das hohe Niveau des Vorjahres anknüpfen. Angesichts schwieriger globaler Rahmenbedingungen – langsameres Wachstum der Weltwirtschaft, schwache Industriekonjunktur in Teilen Europas und Verunsicherung der Märkte durch die politischen Handelskonflikte – sank die Produktion im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,5 Prozent. Der deutliche Rückgang von Menge und Geschäftsergebnis hängt auch mit der Normalisierung des Höhenflugs der Pharmasparte zusammen, deren Produktion 2018 durch einen Sondereffekt sprungartig gestiegen war. Der Umsatz von Deutschlands drittgrößter Branche schrumpfte so im Vergleich zum Vorjahr um 4 Prozent auf knapp 96 Milliarden Euro.

Wie der Verband der Chemischen Industrie (VCI) in seiner Halbjahresbilanz berichtet, waren nahezu alle Produktbereiche der Branche von der schwächeren Nachfrage betroffen: Die Produktion von Spezialchemikalien verringerte sich um 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, Pharmazeutika lagen durch den Sondereffekt 14 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Die Herstellung von Polymeren sank um 7 Prozent. Auch die Produktion von Seifen, Wasch- und Reinigungsmitteln fiel um 4,5 Prozent. Trotz der verhaltenen Chemiekonjunktur stieg die Beschäftigung leicht auf 464.800 Mitarbeiter (+0,5 Prozent).

Die Geschäftserwartungen der Branche sind zurzeit wenig optimistisch. Der VCI geht allenfalls von einer moderaten Erholung im weiteren Jahresverlauf aus. „Die Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung bleiben hoch. Es drohen steigende Zölle zwischen den USA und China und die Gefahr militärischer Konflikte im Nahen Osten nimmt zu. Sollte es dazu kommen, würde dies den globalen Handel noch weiter bremsen und hätte deutliche Auswirkungen auf die deutsche Industrie. Auch die Gefahr eines harten Brexit ist immer noch nicht gebannt“, ordnet VCI-Präsident Hans Van Bylen die Rahmenbedingungen für die Branche ein.

Vor dem Hintergrund dieses globalen wirtschaftlichen und politischen Umfeldes hat der VCI seine bisherige Prognose für das Gesamtjahr 2019 leicht gesenkt. Der Chemieverband in Frankfurt geht jetzt von einem Produktionsrückgang in der Branche von 4 Prozent aus. Bei einem erwarteten Preisanstieg von 1 Prozent für chemisch-pharmazeutische Erzeugnisse dürfte der Umsatz um 3 Prozent auf knapp 197 Milliarden Euro sinken.
Klima schützen und Wettbewerbsfähigkeit erhalten

Das Thema Klimawandel ist in Deutschland inzwischen ins Zentrum der gesellschaftlichen und politischen Debatte gerückt. VCI-Präsident Van Bylen betonte, dass der Schutz des Klimas für die Branche in mehrfacher Hinsicht große Bedeutung habe. „Wir sehen darin nicht nur eine Verpflichtung, sondern auch große Chancen. Unsere Branche leistet mit innovativen Produkten und Verfahren einen erheblichen Beitrag zum Gelingen der Energiewende und für mehr Klimaschutz.“ So werde zum Beispiel durch den Einsatz von Kunststoffen der Treibstoffbedarf aller Fahrzeuge in Deutschland um 500 Millionen Liter pro Jahr verringert.

Auch die eigene Bilanz der Chemie beim Klimaschutz ist positiv: Ihr Ausstoß von Treibhausgasen hat sich seit 1990 halbiert – trotz eines Anstiegs der Produktion um fast 70 Prozent. Das rührt auch daher, dass die Branche mit vielen ihrer Anlagen am Emissionshandel für CO2-Zertifikate teilnimmt, wie Van Bylen erläutert. Industrie und Energiewirtschaft in der EU unterliegen seit 2005 dem Emissionshandel. Seitdem ist der Ausstoß von Treibhausgasen beider Sektoren insgesamt um 26 Prozent gesunken. Damit ist das für 2020 vorgegebene Ziel von minus 21 Prozent bereits übertroffen. „Der europäische Emissionshandel funktioniert besser als jedes andere politische Instrument für den Klimaschutz“, betont der VCI-Präsident. Da das System bis 2030 festgeschrieben sei, werde sich der Ausstoß von Treibhausgasen bis dahin verlässlich um mindestens 43 Prozent verringern.

Überlegungen, den EU-Emissionshandel zu erweitern oder zu ergänzen, sieht der VCI deshalb kritisch. Dazu zählt eine Einbeziehung anderer Sektoren, wie Verkehr und Gebäude, die aus Sicht des Chemieverbandes zu beträchtlichen Verzerrungen des Systems führt. Insbesondere eine Einführung eines nationalen CO2-Preises, der auch Energiewirtschaft und Industrie erfasst, hält der VCI für falsch. Dadurch werde die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen stark beeinträchtigt. „Ein nationaler Alleingang macht keinen Sinn. Weder für das Klima, noch für wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, Beschäftigung und Wohlstand“, unterstreicht VCI-Präsident Van Bylen.

Er verweist dabei auf die Verteilung der globalen CO2-Emissionen und ihre starke Zunahme in anderen Regionen der Welt. Deutschlands Anteil an den weltweiten CO2-Emissionen beträgt aktuell 2,2 Prozent, die Treibhausgase insgesamt sind seit 1990 um mehr als 30 Prozent zurückgegangen. Die Wirtschaft in den G20-Ländern steht hingegen für rund 80 Prozent der globalen Emissionen des Treibhausgases CO2. Deshalb plädiert der VCI dafür, die politischen Anstrengungen zu verstärken, eine globale Lösung zu entwickeln. Van Bylen: „Wenn es gelänge, auf der Ebene der G20 einen gemeinsamen CO2-Preis zu vereinbaren, würde das deutliche Auswirkungen auf den Klimaschutz zeigen und zugleich unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit erhalten.“

Der VCI vertritt die wirtschaftspolitischen Interessen von rund 1.700 deutschen Chemieunternehmen und deutschen Tochterunternehmen ausländischer Konzerne gegenüber Politik, Behörden, anderen Bereichen der Wirtschaft, der Wissenschaft und den Medien. Der VCI steht für mehr als 90 Prozent der deutschen Chemie. Die Branche setzte 2018 203 Milliarden Euro um und beschäftigte rund 462.500 Mitarbeiter.

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