15.07.2018 News

Gemeinsam pragmatische Lösungen finden

Durch die Regierungsumbildung im Vereinigten Königreich hofft Utz Tillmann, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), auf einen inhaltlichen Neustart der Brexit-Verhandlungen: „Nach den Rücktritten im Kabinett scheint der Weg frei für einen lösungsorientierten Verhandlungsansatz von Großbritannien. Premierministerin May sollte sich nicht durch die Einlassungen des US-Präsidenten unter Druck setzen lassen.“ Vorrang hat für Tillmann, dass man wegen des Zeitdrucks bis zur entscheidenden Tagung des Europäischen Rates im Oktober schnell an den Verhandlungstisch zurückkehrt: „Bis Oktober muss mit aller Kraft ein Verhandlungsergebnis erreicht werden. Die Wirtschaft braucht dringend Klarheit, wie es weitergeht, und die Sicherheit, dass es eine Übergangsphase geben wird.“

Chemieindustrie ist stark europäisch integriert

Ein unkontrollierter Brexit hätte für die chemisch-pharmazeutische Industrie unmittelbare und schwerwiegende Folgen, so Tillmann. Die Gesetzgebung für chemische Stoffe und Produkte habe sich in den letzten 15 Jahren in der EU sehr dynamisch entwickelt. Dadurch seien komplexe und grenzüberschreitende europäische Wertschöpfungsketten entstanden, betont Tillmann und erläutert: „Zollzahlungen und zeitaufwendige Zollprozeduren an der Grenze könnten zahlreiche Lieferketten der Unternehmen ebenso zum Erliegen bringen wie plötzlich fehlende Registrierungen oder Zulassungen für chemische Produkte aus Großbritannien. Davon wären auch unsere Kundenbranchen massiv betroffen.“ Um chaotische Zustände im Fall eines unkontrollierten Brexits abzuwenden, brauche es geeignete Back-up-Maßnahmen der Politik, so Tillmann.

Der VCI vertritt die wirtschaftspolitischen Interessen von rund 1.700 deutschen Chemieunternehmen und deutschen Tochterunternehmen ausländischer Konzerne gegenüber Politik, Behörden, anderen Bereichen der Wirtschaft, der Wissenschaft und den Medien. Der VCI steht für mehr als 90 Prozent der deutschen Chemie. Die Branche setzte 2017 über 195 Milliarden Euro um und beschäftigte rund 453.000 Mitarbeiter.

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