19.09.2018 News

Binnenmarkt ist nicht verhandelbar

Vor den Brexit-Gesprächen auf dem informellen EU-Gipfel in Salzburg betont der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), Utz Tillmann, die Dringlichkeit einer baldigen Verhandlungslösung. Bewegung fordert er vor allem vom Vereinigten Königreich: „Das Chequers-Papier ist noch weit von der Position der Europäischen Kommission entfernt. Die britische Regierung muss sich in den weiteren Verhandlungen deutlich kompromissbereiter zeigen. Die EU kann den Binnenmarkt nicht aufs Spiel setzen.“

Tillmann erläutert, warum für die Chemie-Branche ein Verhandlungsergebnis von großer Bedeutung ist: „Für die chemisch-pharmazeutische Industrie und unsere Kundenbranchen ist eine Einbindung Großbritanniens in die EU-Chemikalienbehörde ECHA auch nach dem Brexit enorm wichtig. Eine entsprechende Regelung sollte bereits in die Leitlinien über das zukünftige Verhältnis aufgenommen werden.“

Ein unkontrollierter Brexit hätte für die chemisch-pharmazeutische Industrie direkte und schwerwiegende Folgen. Als Beispiel nannte Tillmann die EU-Chemikalienverordnung REACH: „Durch einen unkontrollierten Brexit dürfen alle chemischen Stoffe, die im Vereinigten Königreich für den Vertrieb in der EU registriert wurden, unmittelbar nicht mehr ohne Weiteres in der EU verkauft werden. Das hätte gravierende Auswirkungen auf die Lieferketten.“ Tillmann verweist in diesem Zusammenhang auf eine Umfrage im Rahmen der VCI-Fachveranstaltung „Brexit und REACH“. Die Unternehmensvertreter bestätigten dabei nahezu einhellig (95 Prozent), dass ihre Geschäfte von einem unkontrollierten Brexit beeinträchtigt würden.

Der VCI vertritt die wirtschaftspolitischen Interessen von rund 1.700 deutschen Chemieunternehmen und deutschen Tochterunternehmen ausländischer Konzerne gegenüber Politik, Behörden, anderen Bereichen der Wirtschaft, der Wissenschaft und den Medien. Der VCI steht für mehr als 90 Prozent der deutschen Chemie. Die Branche setzte 2017 über 195 Milliarden Euro um und beschäftigte rund 453.000 Mitarbeiter.

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