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OWF 2026: VCI-Nordostchefin Nora Schmidt-Kesseler warnt vor Verlust industrieller Souveränität und Wohlstand
„Ohne Schwefelsäure gibt es keine Düngemittel, keine Batterien, keine pharmazeutischen Wirkstoffe und große Teile industrieller Produktion würden stillstehen." Mit diesem Beispiel warnte Nora Schmidt-Kesseler, Hauptgeschäftsführerin des VCI Nordost, beim Ostdeutschen Wirtschaftsforum (OWF) vor einer wachsenden strategischen Abhängigkeit Deutschlands bei industriellen Grundstoffen.
Auf dem Panel „Ostdeutschland als Resilienzcluster Deutschlands – am Beispiel der Chemieindustrie" diskutierte Nora Schmidt-Kesseler mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Industrie und Energiewirtschaft über Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Transformation der ostdeutschen Chemieindustrie.
„Versorgungssicherheit beginnt nicht erst im Krisenfall. Sie beginnt bei der Frage, ob wir zentrale industrielle Grundstoffe noch selbst herstellen können", sagte Nora Schmidt-Kesseler.
Die Hauptgeschäftsführerin des VCI Nordost verwies darauf, dass Chemie am Beginn nahezu aller industriellen Wertschöpfungsketten stehe – von Gesundheitswirtschaft über Mobilität bis zur Energiewende.
„Wenn industrielle Basischemikalien fehlen, geraten ganze Wertschöpfungsketten unter Druck – von der Arzneimittelversorgung bis zur industriellen Produktion", betonte Nora Schmidt-Kesseler.
Zugleich machte sie auf die wirtschaftlich angespannte Lage der Branche aufmerksam. Die chemisch-pharmazeutische Industrie in Ostdeutschland steckt inzwischen im vierten Krisenjahr in Folge. Hohe Energiepreise, regulatorische Belastungen und international ungleiche Wettbewerbsbedingungen setzten die Unternehmen massiv unter Druck.
„Wenn industrielle Wertschöpfung verloren geht, verlieren wir am Ende nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch wirtschaftliche Stärke und gesellschaftliche Stabilität", sagte Nora Schmidt-Kesseler.
Gerade in den eng vernetzten ostdeutschen Chemieparks könnten Produktionsrückgänge schnell ganze Wertschöpfungsketten treffen.
Mit Blick auf die Transformation der Industrie sprach sich Nora Schmidt-Kesseler für technologieoffene und zugleich wirtschaftlich tragfähige Lösungen aus.
„Wettbewerbsfähigkeit und Transformation sind kein Widerspruch. Aber Transformation funktioniert nicht gegen wirtschaftliche Realität", sagte sie.
Die Unternehmen stünden zum klimafreundlichen Umbau der Industrie und investierten bereits heute Milliarden in klimafreundliche Technologien, neue Rohstoffpfade und Kreislaufwirtschaft.
„Klimatransformation kann nur gelingen, wenn die Unternehmen auch wirtschaftlich stark bleiben. Sie brauchen wettbewerbsfähige Energiepreise, verlässliche Rahmenbedingungen und regulatorische Entlastung – und zwar sofort", erklärte Nora Schmidt-Kesseler.
Ostdeutschland habe zugleich das Potenzial, Modellregion für grüne Chemie und industrielle Transformation zu werden.
„Die Frage ist nicht, ob die Chemie im Osten Zukunft hat. Die Frage ist, ob wir diese Zukunft politisch ermöglichen wollen", sagte die Hauptgeschäftsführerin.