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Jedes zweite Chemieunternehmen im Osten will weniger in Deutschland investieren

Aktuelle Umfrage des VCI Nordost: Hohe Kosten, Bürokratie und Energiepolitik bremsen Investitionen

Jedes zweite Unternehmen der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Ostdeutschland plant, seine Investitionen in Deutschland in den Jahren 2026 und 2027 zu reduzieren. Mehr als jedes dritte Unternehmen will Investitionen ganz oder teilweise ins Ausland verlagern. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des VCI Nordost hervor.

Hohe Kosten in Deutschland sind für 90 Prozent der Mitgliedsunternehmen ein eher oder stark negativer Einflussfaktor für Investitionen. Für 75 Prozent gilt das auch für die Energie- und Klimapolitik. Gleichzeitig plant nur jedes zehnte Unternehmen, seine Investitionen in Deutschland auszuweiten.

„Unsere Unternehmen verlieren nicht den Mut zu investieren – sie verlieren das Vertrauen in die Standortbedingungen. Wer Investitionen in Deutschland halten will, muss Verlässlichkeit schaffen. Weniger Bürokratie, schnellere Genehmigungen und international wettbewerbsfähige Energiepreise entscheiden darüber, wo neue Anlagen entstehen, Innovationen entwickelt und Arbeitsplätze gesichert werden“, erklärt Nora Schmidt-Kesseler, Hauptgeschäftsführerin des VCI Nordost.

Besonders deutlich fällt die Bewertung von Bürokratie und Regulierung aus.
85 Prozent der Unternehmen empfinden sie als schwere oder sehr schwere Belastung. Für 70 Prozent stellen sie zugleich das größte Hemmnis für Innovationen dar. Weitere Belastungsfaktoren sind hohe Rohstoffkosten sowie Steuern und Abgaben mit jeweils 60 Prozent, die Genehmigungspraxis mit 55 Prozent und die Energiekosten mit 50 Prozent.

Auch der wirtschaftliche Ausblick bleibt verhalten. Bei den Erträgen überwiegt der Pessimismus deutlich: Jedes zweite Unternehmen geht von sinkenden Erträgen aus, lediglich jedes fünfte rechnet mit einer Verbesserung. Beim Umsatz halten sich Optimisten und Pessimisten nahezu die Waage.

Die Unternehmen bewerten zudem den wirtschaftspolitischen Kurs kritisch. 65 Prozent beurteilen die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“, bei der EU-Kommission sind es 75 Prozent. 80 Prozent sind der Auffassung, dass die Bundesregierung die Risiken einer Deindustrialisierung nicht ausreichend ernst nimmt – mit Blick auf die EU-Kommission teilen 90 Prozent diese Einschätzung.

„Deutschland kann sich im internationalen Wettbewerb keine jahrelangen Genehmigungsverfahren, immer neue Berichtspflichten und dauerhaft hohe Standortkosten leisten. Politik muss sich daran messen lassen, ob sie Investitionen ermöglicht – oder verhindert. Unsere Umfrage zeigt sehr deutlich, wie groß der Handlungsdruck inzwischen ist“, betont Nora Schmidt-Kesseler.