Potsdamer Modell

Am 9. Mai 2017 wurde der neuen Manteltarifvertrag für den Tarifbezirk Berlin (Ost) und Ost unterzeichnet. Zusammen mit dem 2011 abgeschlossenen und 2016 erneuerten Tarifvertrag über eine lebensphasengerechte Arbeitszeitgestaltung LephA-TVplus endet damit die Tarifangleichung Ost-West.  

Arbeitswelt und Gesellschaft sind in steter Veränderung. Der Altersdurchschnitt in den Unternehmen erhöht sich, starke Mitarbeiterjahrgänge gehen in den Ruhestand und gleichzeitig zeichnet sich, insbesondere in den neuen Bundesländern, ein überdurchschnittlich hoher Mangel an Fachkräften ab. Die Anforderungen im Berufsleben, bei der Erziehung von Kindern sowie bei der Pflege von Angehörigen sollen besser vereinbar werden. Unternehmen und Mitarbeiter brauchen hierzu flexible Rahmenbedingungen zur bedarfsgerechten Gestaltung der Arbeitszeit, mit denen zugleich die Attraktivität der Branche und der einzelnen Unternehmen im Wettbewerb um Talente und Investitionen weiter ausgebaut wird.  Zudem wird mit diesem TV der Angleichungsprozess Ost/West zum Abschluss gebracht. Zusammen mit der im LephA-TVplus erfolgten Bildung eines betrieblichen Fonds im Gegenwert einer Arbeitsstunde wird die repräsentative Arbeitszeit in drei weiteren Stufen auf das West-Niveau angepasst. 
 
Bedarfsorientierte Arbeitszeitgestaltung

Für Unternehmen und Mitarbeiter bietet das Potsdamer Modell zwei Bestandteile:
 
Betriebliche Arbeitszeit
Individuelle Wahlarbeitszeit
 
Mit der betrieblichen Arbeitszeit wird den Betriebsparteien ein größerer Gestaltungsspielraum für die Festlegung der Arbeitszeit im Betrieb gegeben. Abhängig vom benötigten Arbeitsvolumen, den jeweiligen Arbeitszeitsystemen und Arbeitsbedingungen kann für den Betrieb oder einzelne Betriebseinheiten die betriebliche Arbeitszeit innerhalb eines Korridors von 32-40 Stunden wöchentlich festgelegt werden. Mit der individuellen Wahlarbeitszeit können darüber hinaus die Betriebsparteien auch persönliche Arbeitszeitwünsche und individuelle Arbeitsanforderungen berücksichtigen.