Tarifpolitik

Die ostdeutsche Chemieindustrie ist Beispiel einer modernen und zukunftsfähigen Tarifpolitik, die durch Flexibilisierungen und Öffnungsklauseln die Flächentarife erhält und stärkt.

Moderne Flächentarifverträge

Die Flächentarifverträge in der chemischen Industrie sind schrittweise modernisiert worden. Mit der Verankerung von zahlreichen Flexibilisierungen und Öffnungsklauseln haben die Tarifvertragsparteien auf den wachsenden Kostenwettbewerb der Unternehmen und die Herausforderungen der Globalisierung reagiert. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung des Wirtschaftsstandorts Deutschland und schaffen für die Unternehmen notwendige Kosten- und Arbeitszeitspielräume. Dies ist vor allem in den neuen Bundesländern von entscheidender Bedeutung.

Öffnungsklauseln

Mit der Vereinbarung von Öffnungsklauseln können die Betriebsparteien sachnäher auf unternehmensspezifische Besonderheiten reagieren. Waren es am Anfang Korridorlösungen ( z.B. Arbeitszeitkorridor und Entgeltkorridor), so können Arbeitgeber und Betriebsrat heute ganze Regelungsbereiche wie Langzeitkonten, betriebliche Qualifizierung und leistungsbezogene Gestaltung der tariflichen Jahresleistung aktiv mitgestalten. Flexible Arbeitszeitmodelle sind in der chemischen Industrie eine Selbstverständlichkeit. Die Tarifvertragsparteien geben hierbei lediglich die Rahmenbedingungen vor, die von den Betriebsparteien bei Bedarf entsprechend den konkreten Gegebenheiten im Unternehmen ausgestaltet werden.

Anpassungsprozess Ost/West

Arbeitgeberverband Nordostchemie und IG BCE haben konstruktive Lösungen für den Anpassungsprozess der chemischen Industrie der neuen Bundesländer gefunden. Ziel dieses Anpassungsprozesses war das Erreichen des Tarifentgeltniveaus von Berlin (West) bis 2009. Dazu wurden jährliche Anpassungsstufen vereinbart, von denen einzelne Unternehmen zur Sicherung und Entwicklung ihrer wirtschaftlichen Grundlagen mit Zustimmung der Tarifvertragsparteien abweichen konnten. Gleichzeitig wurde u.a. die 40-Stunden-Woche bis 2010 tarifvertraglich festgeschrieben. Auch mit dieser Vereinbarung haben die Tarifvertragsparteien bewiesen, dass sie mit Augenmaß und Verantwortungsbewusstsein einen für beide Seiten tragbaren Kompromiss finden können.

Mit dem Tarifabschluss vom 2. November 2011 wurde dieser Weg fortgesetzt. Unter Beibehaltung der 40-Stunden-Woche werden über einen neuartigen Tarifvertrag ab 2013 ausgewählten Arbeitnehmergruppen Entlastungszeiten gewährt.

Strukturabweichungen bei der Bezahlung von Facharbeitern werden in 2012 weiter beseitigt.

Die Jahresleistung wird bis 2015 auf ein bundeseinheitliches Niveau angehoben.

Fachabteilungen

Neue Wege gehen die Chemie-Tarifvertragsparteien bei der Schaffung von Spartenlösungen für einzelne Bereiche wie die Kunststoff verarbeitende Industrie oder die chemienahen Bildungseinrichtungen. Es geht darum, einzelnen Bereichen unter dem Dach der Chemie branchenspezifische Lösungen entsprechend der jeweiligen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit anzubieten.