04.11.2016 News

Emissionen von Treibhausgasen steigen trotz Pariser Abkommen

Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) sieht im Inkrafttreten des Klimaschutzabkommens von Paris einen wichtigen, aber nicht ausreichenden Schritt für den globalen Klimaschutz. Laut Utz Tillmann, Hauptgeschäftsführer des VCI, genügen die Minderungszusagen der Nationen, die den Vertrag ratifiziert haben, noch nicht, um die globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Das ist das Kernziel des Abkommens.

Mit Blick auf den Weltklimagipfel, der kommende Woche in Marrakesch beginnt, sagte Tillmann: „Es ist ermutigend, dass das Abkommen von Paris nach der Ratifizierung durch zahlreiche Staaten schon nach einem Jahr in Kraft treten kann. Die Ernsthaftigkeit der globalen Kooperation für den Klimaschutz muss sich nun in den konkreten Maßnahmen für die Senkung der Emissionen beweisen.“ Die bisherigen Zusagen gegenüber der UN führen laut Tillmann zu einem weltweiten Anstieg der Treibhausgas-Emissionen von 45 Prozent bis 2030 im Vergleich zu 1990. Eine Analyse des VCI verdeutlicht: Zugesagten absoluten Minderungen von 4,4 Milliarden Tonnen Treibhausgasen steht eine Steigerung von 18 Milliarden Tonnen  durch andere Länder gegenüber.

Tillmann betonte, dass die EU bislang die einzige Region ist, die mit dem Emissionshandel ein Klimaschutzinstrument etabliert hat, das zu einer messbaren Senkung von Treibhausgasen geführt hat und auch in Zukunft führen wird. Er forderte die EU auf, bei ihren internationalen Partnern auf ähnlich verpflichtende Maßnahmen hinzuwirken: „Im Unterschied zur EU haben viele Staaten beim Klimaschutz nur allgemeine Absichten bekundet. Das muss sich ändern. Andere Staaten sollten ihre Zusagen nach dem Vorbild der EU auf absolute Emissionsminderungen umstellen.“

Tillmann schlägt vor, den Emissionshandel, wie er in Europa schon existiert, mindestens auf Ebene der G20 zu verwirklichen: „Wenn sich die wichtigsten globalen Emittenten in einem gemeinsamen Emissionshandel nach gleichen Regeln zusammenschließen, kann sich beim Klimaschutz wirklich etwas bewegen. Nur so lässt sich das Abkommen von Paris mit Leben füllen.“ Impulse dazu erhofft sich Tillmann besonders von der kommenden deutschen G20-Präsidentschaft.  Der VCI-Hauptgeschäftsführer wies darauf hin, dass durch das Inkrafttreten des UN-Klimaschutzabkommens die darin getätigten Zusagen für die Unterzeichner in keiner Weise verpflichtend sind oder sanktioniert werden können.

Erste Schritte in die Richtung eines G20-Emissionshandels erhofft sich Tillmann auch von der Klimakonferenz in Marrakesch, bei der auch die künftige Ausgestaltung der internationalen Marktmechanismen zur Reduktion von Treibhausgasen auf der Tagesordnung steht. Diese sei wichtig, damit Staaten bei der Emissionsminderung besser zusammenarbeiten könnten.

Der VCI vertritt die wirtschaftspolitischen Interessen von mehr als 1.650 deutschen Chemieunternehmen und deutschen Tochterunternehmen ausländischer Konzerne gegenüber Politik, Behörden, anderen Bereichen der Wirtschaft, der Wissenschaft und den Medien. Der VCI steht für mehr als 90 Prozent der deutschen Chemie. Die Branche setzte 2015 rund 189 Milliarden Euro um und beschäftigte über 446.000 Mitarbeiter.